Die US-Zentralbank wurde 1913 vom Kongress als institutionell unabhängige Instanz errichtet, deren Entscheidungen frei von politischem Einfluss und ausschliesslich dem öffentlichen Interesse verpflichtet sein sollten. Mit dem Humphrey-Hawkins Act von 1978 wurde dieses Selbstverständnis durch das duale Mandat – Sicherung der Preisstabilität und Förderung maximaler Beschäftigung – gesetzlich präzisiert. Zwar ist die Fed in der Umsetzung ihrer Politik unabhängig, ihre Ziele sind jedoch klar durch den Gesetzgeber geregelt.
Dieses institutionelle Gleichgewicht gerät zunehmend unter Druck. Unter Donald Trump wurde die geldpolitische Unabhängigkeit der Fed offen infrage gestellt und durch öffentliche Einflussnahme gezielt beeinträchtigt. Damit steht nicht nur die Autonomie der US-Notenbank zur Disposition, sondern ein zentrales Element moderner Geldpolitik mit potenziell weitreichenden Folgen für die Finanzmärkte und die globale Wirtschaftsordnung.
Zugleich haben sich die USA von der regelbasierten Weltordnung, die sie nach dem Zweiten Weltkrieg selbst etabliert haben, faktisch entfernt – eine Entwicklung, die über einzelne Präsidentschaften hinausweisen wird. Hierzu findet der Premierminister von Kanada, Mark Carney, die folgenden Worte: «Wir wissen, dass die alte Ordnung nicht zurückkehren wird. Wir sollten sie nicht betrauern. Nostalgie ist keine Strategie.»