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Rohstoffe: Wie Geopolitik, Helium und Portfolios verknüpft sind

Die Unruhen im Nahen Osten hinterlassen Spuren an den Rohstoffmärkten. Ein kaum beachteter Rohstoff rückt dabei zunehmend ins Blickfeld: Helium. Was das mit Technologiegiganten wie Samsung, dem Schweizer Rohstoffplatz und unserer Anlagestrategie zu tun hat, lesen Sie im Beitrag.

8 Min.

Rohstoffe
Rohstoffe als geopolitisches Fundament

Rohstoffe sind das Rückgrat der modernen Wirtschaft, jedoch ungleich verteilt. Die Länder mit den grössten Rohstoffvorkommen gehören meist nicht zu den grössten Verbrauchern. Diese Diskrepanz erzwingt den globalen Handel: Ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Gasströme hängt an engen Seewegen wie der Strasse von Hormus, durch die rund ein Fünftel der globalen Ölmenge fliesst. 

 

Wertmässig machen Rohstoffe einen beträchtlichen Teil des Welthandels aus – Schätzungen zufolge zwischen einem Viertel und einem Drittel des globalen Warenhandels, abhängig vom jeweiligen Preisniveau. In diesem Markt sind politische Spannungen und Transportstörungen strukturelle Merkmale, die direkt auf Preise und Verfügbarkeit durchschlagen. Wer den Rohstoffmarkt versteht, versteht die Mechanik der Weltwirtschaft.

Helium und die Halbleiterindustrie

In der Öffentlichkeit oft als Füllgas für Luftballons bekannt, ist Helium in der Hochleistungstechnologie eine kritische Komponente. Aufgrund seines extrem tiefen Siedepunkts von rund minus 269 Grad Celsius und seiner chemischen Trägheit ist das Edelgas in der Halbleiterproduktion unverzichtbar. Es wird zur Kühlung eingesetzt, dient als Trägergas in Reinräumen und ist für die Lecksuche in Präzisionsanlagen essenziell. Die Krux: Helium lässt sich nicht chemisch herstellen, sondern fällt als Nebenprodukt der Erdgasförderung an und bleibt damit an die physische Förderinfrastruktur gebunden. 

 

Die globale Produktion konzentriert sich auf wenige Staaten und wenige Anlagen. Eine besonders wichtige Rolle spielt Katar. Der von QatarEnergy betriebene Industriekomplex in Ras Laffan gilt als einer der zentralen Standorte der weltweiten Heliumversorgung. Die Halbleiterindustrie benötigt einen bedeutenden Anteil des weltweiten Heliums, wobei Taiwan und Südkorea zu den wichtigsten Abnehmern zählen. Branchenführer wie Samsung Electronics und SK Hynix, die zusammen einen grossen Teil des globalen Speicherchip-Marktes kontrollieren, sind auf eine stabile Versorgung angewiesen. Das ist eine bekannte Konzentration, die in ruhigen Zeiten effizient wirkt, in Krisenzeiten aber zu Verwundbarkeit führt.

Helium Produktion
Versorgung unter Druck

Die Entwicklungen im Nahen Osten haben die Versorgungslage allerdings verschärft. Nach Unterbrechungen in der Produktion und Meldungen über höhere Gewalt durch QatarEnergy kam es zu spürbaren Spannungen am Markt. Die Folge waren deutlich höhere Spotpreise und steigende Vertragszuschläge. Und auch die Logistik erweist sich als Komplex: Flüssiges Helium in Spezialcontainern hat nur eine begrenzte Haltbarkeit, und wenn Lieferketten unterbrochen werden, entweicht es mit der Zeit ungenutzt. Das Problem lässt sich also nicht beliebig verschieben. 

 

Zwar können Lagerbestände und interne Recyclingsysteme bei grossen Herstellern kurzfristige Ausfälle abfedern. Doch Branchenberichte warnen vor Produktionsdrosselungen bei Samsung und SK Hynix, sollte der Engpass anhalten — mit Folgen für Smartphones, Automobile und globale Rechenzentren. Die Halbleiterindustrie ist dabei nicht allein betroffen. Auch in der Pharmaindustrie wird Helium für bestimmte Analyseverfahren benötigt; hier kann ein länger anhaltender Engpass zentrale Qualitätskontrollen verzögern und damit den Marktzugang von Produkten erschweren. 

 

Diversifikationsbemühungen stossen gleichzeitig an strukturelle Grenzen: Alternative Vorkommen in Kanada oder Tansania befinden sich teils noch in frühen Erschliessungsphasen, und Recyclingtechnologien sind teuer und nicht flächendeckend verfügbar. Die Abhängigkeit lässt sich mittelfristig lediglich reduzieren, nicht aber auflösen.

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Die Schweiz als Drehscheibe

Hinter den Kulissen dieser Krise agiert ein Akteur, der öffentlich kaum wahrgenommen wird: die Schweiz. Genau jene Lieferverträge und Preisabsicherungen, die Samsung und andere Chipkonzerne vor Versorgungsengpässen schützen sollen, werden über Rohstoffhandelsplattformen strukturiert und finanziert — ein bedeutender Teil davon in Genf und Zug. Die offizielle Statistik zeigt, dass der Rohstoffhandel 2024 eine Wertschöpfung von 19,2 Milliarden Franken generierte, was 2,3 Prozent des Schweizer BIP entspricht. Auf dem globalen Markt, wo das Volumen von Finanzkontrakten das des physischen Handels beim Öl um ein Vielfaches übersteigt, fungiert die Schweiz als zentraler Knotenpunkt. Dass diese Absicherung ihre Grenzen hat, wenn physische Anlagen ausfallen und kein Vertrag das ausgleicht, ist die eigentliche Lehre aus den Ereignissen in Ras Laffan.

 

Ein grosser Teil der global gehandelten Rohstoffe läuft durch Schweizer Handelshäuser wie Glencore in Baar oder Vitol, Trafigura, Mercuria und Gunvor in Genf. Historisch gewachsene Netzwerke, ein starker Finanzplatz und tiefe Steuern haben diese Konzentration begünstigt. Dennoch wächst angesichts wiederkehrender Kontroversen um Steuervermeidung und Menschenrechte der Druck auf mehr Transparenz und Regulierung.

Unsere Anlagephilosophie im laufenden Strukturwandel

In diesem hochkomplexen Umfeld bleibt unsere Haltung als Anleger konsequent. Wir verzichten bewusst auf Investitionen in Unternehmen, die einen Grossteil ihres Umsatzes mit fossilen Brennstoffen erwirtschaften (inkl. Automobilzulieferer und -Hersteller mit Fokus auf Verbrennungsmotoren). Stattdessen fokussieren wir uns auf die konkreten Chancen der Dekarbonisierung.


Der Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft erfordert Rohstoffe. Kupfer für Stromnetze, Lithium für Batterien, seltene Erden für Elektromotoren — ohne diese Metalle gibt es keine Energiewende. Für Anleger, die gezielt von diesem Strukturwandel profitieren möchten, empfehlen wir den Konwave Transition Metals Fund. Der Fonds bietet Zugang zu grossen, mittelgrossen und kleinen Unternehmen, welche wesentlich von der bevorstehenden Energiewende profitieren, darunter Produzenten sowie Explorations- und Entwicklungsunternehmen.
 

Das Fondsmanagement arbeitet eng mit Geologen zusammen und konzentriert sich auf Fundamentaldaten sowie die Bewertung, um Ineffizienzen auszunutzen, die auf den Mangel an professioneller Berichterstattung zurückzuführen sind. Zusätzlich zu diesen Bottom-up-Faktoren fliessen auch Top-down-Überlegungen wie geopolitische Länderrisiken sowie Nachhaltigkeitsüberlegungen in den Investmentprozess ein.
 

Nehmen Sie gerne Kontakt zu Ihrer Kundenberaterin oder Ihrem Kundenberater auf, wenn Sie mehr über unsere Anlagephilosophie erfahren möchten.

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Michael Küng

Kundenberater Zürich

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