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Jahrhundertunternehmen – Wenn Firmen Generationen überdauern

In einer Wirtschaftswelt, die oft nur bis zum nächsten Quartalsbericht denkt, wirken sie wie Felsen in der Brandung: Unternehmen, die seit Jahrhunderten bestehen. Ein Beispiel hierfür ist Victorinox. 1884 gegründet, wird das Unternehmen nun in der vierten Generation geführt. Was sind nun aber die Gründe für eine solche Langlebigkeit? 

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Jahrhunderunternehmen
Werte, Vertrauen und Beständigkeit

Im Zentrum traditionsreicher Unternehmen stehen unerschütterliche Prinzipien wie Verlässlichkeit, Beständigkeit, Integrität und Qualität. Über zum Teil hunderte von Jahren ist es ihnen gelungen, Vertrauen bei Kundinnen und Kunden, Mitarbeitenden und Geschäftspartnern aufzubauen – und dieses zu erhalten. Ihre Marken werden mit einem besonderen Mass an Sicherheit und Berechenbarkeit assoziiert. Kunden wissen: Hier steht man zu seiner Zusage, man hält Qualitätsstandards und hat langjähriges Know-how aufgebaut, das auch bei wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen Orientierung und Kontinuität gibt. 

 

Ein Paradebeispiel ist das japanische Heilbad Nishiyama Onsen Keiunkan, das seit dem Jahr 705 Gäste empfängt und damit als das älteste Hotel der Welt gilt. Zu Beginn diente es als Unterkunft für Samurai und Reisende. Heisse Quellen, die schon seit jeher die Hauptattraktion des Hotels waren, sind auch heute noch einer der Anziehungsgründe für Besucher. Das Hotel musste sich zwar weiterentwickeln und modernisieren. Klassische Werte wie die japanische Gastfreundschaft oder Teezeremonien sind geblieben, heute jedoch mit modernen Elementen wie beispielsweise luxuriösen privaten Onsen-Bädern ergänzt.

Unternehmerisches Denken und nachhaltige Ziele

Traditionsunternehmen handeln selten kurzfristig oder rein profitorientiert. Sie verfolgen nachhaltige, auf Beständigkeit ausgerichtete Strategien, die Risiken kalkulieren und in Generationen, nicht in Quartalszahlen denken. Dabei spielen auch langfristige Beziehungen zu Geschäftspartnern und Kunden eine herausragende Rolle. Viele dieser Unternehmen befinden sich in Familienhand oder haben eine klare Eigentümerstruktur, die für Stabilität und eigenständige Identität sorgt. 

 

Ein Beispiel hierfür ist die in der Einleitung erwähnte Firma Victorinox aus Ibach, Schwyz. Aktuell sind ca. 15 Personen aus der Gründerfamilie Elsener – einige bereits aus der fünften Generation – beschäftigt sowie 2'000 Angestellte weltweit. Im Jahr 2000 haben sämtliche Mitglieder der Familie bewusst auf ihr Erbe verzichtet und 90% der Aktien in die Victorinox Stiftung eingebracht. Dies gewährt die finanzielle Unabhängigkeit, da der erarbeitete Reingewinn ausschliesslich ins Unternehmen zurückfliesst. Die Familie bleibt in der Verantwortung und es wurde sichergestellt, dass Victorinox nicht durch Erbteilungen oder Dividenden geschwächt wird. Ohne langfristiges Denken wäre das nicht gegangen. Nach 9/11, als Taschenmesser nicht mehr im Flugzeug mitgeführt werden durften, ist der Umsatz eingebrochen. Das konnte die Firma nur überleben, weil sie in guten Zeiten genügend Reserven aufgebaut hatte. Auch während Corona ist der Umsatz eingebrochen. Während dieser Zeit wurden unterbeschäftigte Mitarbeitende an andere Firmen ausgeliehen, die zu diesem Zeitpunkt Bedarf hatten. Auf Grund von diesem nachhaltigen Management war es möglich, dass keine Mitarbeitenden entlassen werden mussten.

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Innovationsbereitschaft als Überlebensfaktor

Ein häufiges Missverständnis ist der Glaube, dass traditionsreiche Unternehmen krampfhaft an alten Strukturen festhalten und sich dem Fortschritt verschliessen. Tatsächlich ist es gerade ihre Fähigkeit zum Wandel und zur Innovation, die ihnen das Überleben sichern. Sie greifen Bewährtes auf und verbinden dieses mit modernem unternehmerischem Denken. Dieses Spannungsfeld zwischen Innovation und Klassik wird bewusst gepflegt, etwa durch digitale Transformation, aber auch durch die Neubelebung überlieferter Produkte, Dienstleistungen und Prozesse. 

 

Ein Beispiel hierfür ist die Van Eeghen Gruppe aus Amsterdam, gegründet 1662, Mitglied der europäischen Familienunternehmer-Vereinigung «Les Hénokiens». Sie wechselte ihr Geschäftsmodell erfolgreich von Wolle und Leinen zur heutigen Nahrungsergänzungsmittel-Produktion – beispielhaft für geschickte, generationenübergreifende Erneuerung. Ein weiteres Unternehmen, das hier genannt werden darf ist Nokia: Um die Jahrtausendwende «der» Anbieter für Mobil-Telefone. Die Firma wurde aber bereits 1865 gegründet und stellte Papiererzeugnisse her, später waren es auch Gummistiefel oder Toilettenpapier. 

Stabile Netzwerke und starke Unternehmenskulturen

Die besondere Unternehmenskultur traditionsreicher Betriebe zeichnet sich durch Integrität, Loyalität, persönliches Engagement und Verantwortungsbewusstsein aus. Häufig sind sie klein genug, um flexible Entscheidungen treffen zu können, verfügen aber über solide Netzwerke und über Generationen gewachsene Verbindungen zu Kunden, Partnern und Mitarbeitenden. Die Hierarchien sind häufig klar, die Entscheidungswege kurz und das Bewusstsein für die eigene Verantwortung gross. Es herrscht ein starker Team- und Familiengeist, der dazu beiträgt, Krisen gemeinsam zu bewältigen und nachhaltige Erfolge zu erzielen.

Generationenübergreifende Weitergabe von Wissen

Ein zentraler Erfolgsfaktor traditionsreicher Unternehmen ist der Weiterbestand und systematische Ausbau von Know-how. Über Generationen werden Werte weitergegeben und Prozesse verfeinert. Flexible Übergangsmodelle und ein ausgeprägtes Verständnis der eigenen Identität helfen, Veränderungen reibungslos zu gestalten und neue Entwicklungen zu integrieren. Die Glockengiesserei Marinelli in Italien produziert seit 26 Generationen Glocken für Kirchen weltweit und verbindet alte Fertigungskunst mit moderner Technik. 

 

Auch heute etablierte Unternehmen wie Orell Füssli (gegründet 1519), eines der ältesten Unternehmen der Schweiz, zeigen, wie Tradition und Innovation zusammenspielen können. Über mehr als 500 Jahre hinweg hat sich das Unternehmen immer wieder strategisch neu ausgerichtet – vom Verlagshaus hin zu einem führenden Anbieter im Sicherheits- und Banknotendruck. Der gezielte Wissenstransfer über Generationen hinweg bildet dabei die Grundlage, um neue Technologien zu integrieren und gleichzeitig die Kernwerte von Präzision, Verlässlichkeit und Vertrauen zu bewahren.

Fazit

Traditionsreiche Unternehmen sind die Hüter von Beständigkeit, unternehmerischer Verantwortung und Innovationskraft. Auch pflegen diese Firmen intensive, oft persönliche Beziehungen zu Kundinnen und Kunden. Sie verbinden Vergangenheit und Zukunft, bauen auf bewährte Prinzipien und entwickeln diese weiter. Sie belegen eindrucksvoll, wie Verbindlichkeit und gezielte Innovation die Basis für Langlebigkeit und dauerhaften Markterfolg schaffen können – selbst in einer Wirtschaftswelt, die von Tempo, Digitalisierung und ständiger Erneuerung geprägt ist. Auch Baumann & Cie ist mit ihrer 106-jährigen Geschichte ein solches traditionsreiches Unternehmen, das viele dieser Werte vereint und täglich lebt. 

 

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