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Investiert bleiben in einem anspruchsvollen Umfeld

Für die Finanzmärkte scheinen derzeit vor allem der nächste Zinsentscheid, der nächste Inflationsbericht oder die Energiemärkte im Zentrum zu stehen. Dahinter zeichnen sich jedoch Veränderungen ab, die Wirtschaft und Kapitalmärkte länger prägen dürften.

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Naher Osten: Risiken bleiben erhöht

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben sich zuletzt weiter verschärft. Neben den direkten Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran sorgen Beeinträchtigungen der wichtigen Energie- und Handelsroute über die Strasse von Hormus weiterhin für Verunsicherung. Auch wenn die Märkte gelernt haben, dieses Risiko einzuordnen, überrascht die Heftigkeit der jüngsten Eskalation. Zudem verdeutlichen die Entwicklungen im Roten Meer sowie die Angriffe auf die Energieinfrastruktur in Saudi-Arabien, wie verletzlich Teile der globalen Liefer- und Versorgungsketten nach wie vor sind. 

 

Die Auswirkungen zeigen sich vor allem an den Energiemärkten. Neben dem Ölpreis haben sich auch die Preise für Diesel, Benzin und Erdgas deutlich erhöht. Damit nehmen auch die Risiken für die Inflationsentwicklung zu. Wir gehen davon aus, dass uns diese geopolitischen Unsicherheiten noch längere Zeit begleiten werden.

Energiepreise hinterlassen Spuren

Die gestiegenen Energiepreise hinterlassen mittlerweile deutliche Spuren in den Inflationsdaten. In den USA entsprachen die jüngsten Inflationszahlen zwar weitgehend den Erwartungen, sie enthalten jedoch eine wichtige Erkenntnis: Der zuvor erkennbare Desinflationstrend hat sich zuletzt nicht weiter fortgesetzt. 

 

Nach einer Phase rückläufiger Inflationsraten zeigte sich die Preisentwicklung wieder etwas hartnäckiger. Neben den höheren Energiepreisen verzeichneten auch einzelne Dienstleistungskomponenten eine stärkere Preisentwicklung. 

 

Von einer neuen Inflationsdynamik kann derzeit nicht gesprochen werden. Dennoch wurde von verschiedenen Notenbankvertretern eine weitere Abschwächung der Inflation wiederholt als Voraussetzung für eine Zinspause genannt.

 

Auch in Europa und der Schweiz hat die Inflation zuletzt wieder zugelegt. Allerdings ist auch hier vor allem der Anstieg der Energiepreise für die Entwicklung verantwortlich. Während die Gesamtinflation höher ausfiel, entwickelte sich die Kerninflation tendenziell stabil. Bislang gibt es daher wenig Hinweise auf einen breit abgestützten und nachhaltigen Inflationsdruck.

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Wie reagieren die Notenbanken?

Die Europäische Zentralbank und die Federal Reserve haben die Zinsen wie erwartet angehoben. Eine Überraschung blieb aus. Für die Finanzmärkte ist inzwischen weniger der einzelne Zinsschritt entscheidend als vielmehr die Frage, wie die Notenbanken den jüngsten Inflationsanstieg beurteilen und welche Konsequenzen sie daraus für den weiteren geldpolitischen Kurs ableiten. Da ein wesentlicher Teil der Entwicklung auf höhere Energiepreise zurückzuführen ist, bleibt jedoch offen, wie stark die Geldpolitik auf diese Form der Inflation überhaupt reagieren sollte.

 

Die Märkte rechnen derzeit sowohl in Europa als auch in den USA mit einer weiteren Straffung. Gleichzeitig betont insbesondere die Federal Reserve ihre datenabhängige Vorgehensweise und vermeidet eine frühzeitige Festlegung des weiteren geldpolitischen Kurses. Die jüngsten Aussagen lassen zwar eine weiterhin restriktive Haltung erkennen, unterstreichen jedoch zugleich die Bedeutung neuer Daten und Entwicklungen für die weiteren Entscheidungen. Entsprechend dürfte der Markt künftig sensibler auf Inflations-, Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten reagieren.

 

Die Schweizerische Nationalbank befindet sich dagegen weiterhin in einer vergleichsweise komfortablen Lage. Trotz des jüngsten Anstiegs bleibt die Inflation tief und liefert derzeit wenig Argumente für eine baldige Straffung der Geldpolitik.

Konjunktur bleibt überraschend robust

Betrachtet man die aktuellen Konjunkturdaten, wird deutlich, weshalb die Finanzmärkte die zahlreichen Risiken bislang so gut verkraften. Die US-Wirtschaft läuft weiterhin auf hohem Niveau. Der Arbeitsmarkt hat sich zuletzt erneut gefestigt und die meisten Frühindikatoren deuten auf eine anhaltend robuste wirtschaftliche Entwicklung hin. Von einer ausgeprägten konjunkturellen Schwäche ist derzeit wenig zu erkennen. Vielmehr zeigt sich die amerikanische Wirtschaft trotz höherer Zinsen bemerkenswert widerstandsfähig.

 

Auch in Europa mehren sich die Anzeichen einer konjunkturellen Belebung. Insbesondere die Industriedaten haben sich zuletzt aufgehellt und deuten auf eine schrittweise Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds hin. In der Schweiz überraschte das BIP-Wachstum positiv. Zwar wurde die Entwicklung massgeblich von den Branchen Chemie und Pharma unterstützt, dennoch unterstreicht sie die insgesamt robuste Verfassung der Wirtschaft.

 

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung auf Unternehmensebene. Die veröffentlichten Unternehmenszahlen bestätigen das Bild einer starken Wirtschaft. Gleichzeitig bewegen sich die Gewinn­erwartungen vieler Unternehmen auf rekordnahen Niveaus. Dies erklärt, weshalb sich die Aktienmärkte trotz höherer Finanzierungskosten, geopolitischer Risiken und steigender Kapitalmarktzinsen nach wie vor so robust zeigen.

Langfristige Zinsen rücken in den Fokus

Während sich die Konjunktur weiterhin robust zeigt, beschäftigen die langfristigen Zinsen die Finanzmärkte zunehmend. Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen notieren mittlerweile um die Marke von 5%, während auch längere Laufzeiten deutlich angestiegen sind. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich in Europa und der Schweiz. Der Markt scheint derzeit auszuloten, wie weit die langfristigen Zinsen noch steigen können.

 

Hinter dieser Entwicklung stehen strukturelle Faktoren. Die weltweit steigende Staatsverschuldung, die robuste Konjunktur sowie die enormen Investitionen in den Ausbau der KI-Infrastruktur sorgen für einen hohen Kapitalbedarf. 

 

Zwar verfügt das US-Finanzministerium aktuell über erheblichen Spielraum, die Zusammensetzung der Staatsfinanzierung aktiv zu steuern und damit Druck von den langfristigen Zinsen zu nehmen. Die grundlegenden Herausforderungen einer steigenden Verschuldung und eines wachsenden Finanzierungsbedarfs lassen sich dadurch jedoch nicht beseitigen. 

 

Aus unserer Sicht spricht daher vieles dafür, dass uns die Diskussion über langfristige Zinsen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft und Kapitalmärkte noch über längere Zeit begleiten wird. Damit gewinnt das Thema der finanziellen Repression wieder stärker an Bedeutung.

KI bleibt ein zentraler Wachstumstreiber

Künstliche Intelligenz bleibt einer der wichtigsten Treiber der US-Wirtschaft und der Unternehmensgewinne. Die Dynamik rund um den Ausbau der Infrastruktur und die zunehmende Verbreitung entsprechender Anwendungen ist beeindruckend. Gleichzeitig rücken mit zunehmender Reife des Themas auch Fragen nach der Nachhaltigkeit der hohen Investitionen, der tatsächlichen Nachfrage sowie den sicherheitsrelevanten Herausforderungen stärker in den Fokus. 

 

Wir sind weiterhin überzeugt, dass KI langfristig ein bedeutender Wachstumstreiber bleibt. Folglich halten wir an unserem Engagement fest, achten jedoch auf eine bewusste Positionierung. Mit zunehmender Marktreife entstehen die Chancen nicht mehr nur in einzelnen Bereichen der KI-Wertschöpfungskette, sondern auch in weiteren Teilen der Wirtschaft.

Positionierung im Baumann Portfolio

Konjunktur und Unternehmensgewinne zeigen sich bemerkenswert robust. Gleichzeitig gewinnen strukturelle Themen wie die steigende Staatsverschuldung, der Ausbau der KI-Infrastruktur und dauerhaft höhere Finanzierungskosten zunehmend an Bedeutung. Für unsere Positionierung sind daher weniger die täglichen Schlagzeilen als vielmehr die langfristigen Entwicklungen entscheidend.

 

Entsprechend halten wir unverändert an unserem Fokus auf Sachwerte, Qualitätsunternehmen und strukturelle Wachstumstrends fest. Die langfristigen Perspektiven für Unternehmen aus den Bereichen Infrastruktur, Elektrifizierung, Medizintechnik, Automatisierung und Technologie erachten wir weiterhin als äusserst vielversprechend. Die vergangenen Monate haben dabei einmal mehr gezeigt, dass es stets Gründe gibt, nicht investiert zu sein. Langfristiger Anlageerfolg entsteht jedoch selten durch das Warten auf einen vermeintlich besseren Einstiegszeitpunkt, sondern durch die Fähigkeit, auch in einem anspruchsvollen Umfeld konsequent investiert zu bleiben.

 

Daniel O.A. Rüedi, Teilhaber

Tom Steiner, Leiter Kompetenzzentrum Anlagen

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