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Anlagekommentar

Haben politische Börsen noch immer kurze Beine?

Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass politische Faktoren die Märkte nachhaltiger beeinflussen als lange angenommen. In unserem aktuellen Anlagekommentar erläutern wir, warum die wachsende US-Schuldenlast und der globale Rohstoff-Nationalismus eine strategische Hinwendung zu Sachwerten und Gold unumgänglich machen.

8 Min.

Einflussnahme als politische Strategie

Der Jahresauftakt gestaltete sich unruhig. Geopolitische Entwicklungen dominierten die Schlagzeilen und die Marktvolatilität nahm in Schüben zu, während Investorinnen und Investoren die Flut an Nachrichten einzuordnen versuchten. Gleichzeitig hat sich der Ton der US-Regierung merklich verschärft – insbesondere gegenüber der US-Notenbank Fed und ihrer Führung. Dadurch steigt das mittelfristige Risiko, dass das Vertrauen in zentrale Institutionen und deren Glaubwürdigkeit schrittweise untergraben wird. 

 

Bislang vertraten wir die Ansicht, dass politische Börsen stets kurze Beine haben. Die jüngsten Entwicklungen zeigen jedoch eine umfassend und strategisch politische Einflussnahme, die unsere Einschätzung grundlegend verändert. Politische Entscheidungen wirken heute nicht nur kurzfristig, sondern können langfristige Trends erheblich beeinflussen und beschleunigen. Strategische Weichenstellungen auf politischer Ebene sind damit zu einem entscheidenden Treiber der Marktentwicklung geworden.

Neue Weltordnung

«Wir wissen, dass die alte Ordnung nicht zurückkehren wird. Wir sollten sie nicht betrauern. Nostalgie ist keine Strategie» - Mark Carney, Premierminister Kanadas am Weltforum Davos 2026.

 

Diese Aussage bezieht sich auf das liberale demokratische Modell, das seit dem Ende des Kalten Kriegs die Weltordnung prägte, als die USA zu einer Supermacht wurden. Es basiert auf Regelwerken wie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, starken transatlantischen Beziehungen und der Priorisierung von Demokratie und Frieden, gestützt durch Institutionen wie die UNO und Militärbündnisse wie die NATO. Russland und China lehnen diese westliche Ordnung seit jeher ab und versuchen, ihre Macht für sich auszuweiten.

 

Spätestens das Jahr 2025 steht für den Bruch mit etablierten internationalen Normen. Donald Trump schwächt multilaterale Institutionen durch Zölle und Budgetkürzungen, Allianzen werden transaktionaler, Macht stärker ökonomisiert. Innenpolitisch baut er die Exekutivmacht aus und greift Universitäten, die Fed und staatliche Institutionen an – interpretiert als Disruption oder Bedrohung der Demokratie. Protektionismus, Deglobalisierung und Populismus sind u.a. typische Zeichen dieser neuen Weltordnung.

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Langfristige Folgen globaler Machtverschiebungen

Ein US-Präsident kann Druck auf die Federal Reserve ausüben – etwa durch Personalentscheide, öffentliche Kritik, rechtliche Initiativen oder durch das Signalisieren von Nachfolgern. Auch andere Zentralbanken wie die SNB können über Handels- und Währungseffekte indirekt beeinflusst werden, beispielsweise durch den Vorwurf von Währungsmanipulation oder die Aufnahme auf eine «schwarze Liste».

 

Eine geschwächte Unabhängigkeit der Fed könnte das Vertrauen der Märkte untergraben und politische Risiken verstärken sowie zu höheren Inflationserwartungen, steigenden Renditen und volatileren Finanzbedingungen führen. Fiskalisch motivierte Geldpolitik entlastet kurzfristig Staatshaushalte, wirkt jedoch langfristig inflationsfördernd und erhöht die Kapitalkosten.

 

Die US‑Staatsverschuldung erreicht zudem Anfang 2026 mit über 38.5 Billionen USD ein historisches Rekordniveau und wächst weiter rasant. Die Schuldenquote liegt bei rund 121% des BIP und damit höher als nach dem Zweiten Weltkrieg. Besonders problematisch ist die stark steigende Zinslast, die 2026 erstmals über 1 Billion USD pro Jahr liegt. Insgesamt zeigt sich, dass die US-Verschuldung inzwischen ein strukturelles wirtschaftliches Risiko darstellt und zunehmend am Fiskalspielraum und an der Stabilität zehrt, was in einer Vertrauenskrise münden könnte.

Entdollarisierung und Gold

Der US-Dollar dominiert seit rund 80 Jahren als globale Reserve-, Handels- und Finanzwährung – gestützt auf wirtschaftliche Stärke, militärische Macht, umfangreiche Goldbestände sowie ultraliquide Kapitalmärkte. Zwar bleibt der Dollar mit rund 57% Anteil an den weltweiten Währungsreserven führend, doch sein Bedeutungsverlust beschleunigt sich zunehmend.

 

Die Entdollarisierung ist ein fortlaufender Prozess zur Umgestaltung der globalen Machtstrukturen – weg von US‑Dominanz, hin zu einer multipolaren Welt. Die weltweiten Bemühungen verschiedener, vor allem aufstrebender Staaten, ihre wirtschaftliche und finanzielle Abhängigkeit vom US‑Dollar zu verringern haben stark zugenommen. Ein wichtiges Instrument dabei ist das Edelmetall Gold. Viele Zentralbanken diversifizieren ihre Reserven zunehmend und bevorzugen im aktuellen Umfeld vermehrt Gold gegenüber US-Staatsanleihen. Die strukturelle Nachfrage, gerade von Schwellenländern, wird aus unserer Sicht hoch bleiben. Ein weiterer Aspekt ist die bereits angesprochene, zunehmende globale Verschuldung. In Verbindung mit dem schwindenden Vertrauen in die Unabhängigkeit der US-Notenbank ergeben sich daraus zusätzliche Argumente für einen mittelfristig anhaltenden Aufwärtstrend des wichtigsten Edelmetalls.

Aufstieg des Rohstoff- und Technologie-Nationalismus

Industriemetalle sind im Jahr 2026 das, was Öl im 20. Jahrhundert war: der zentrale geopolitische Macht- und Wohlstandsrohstoff. Kupfer, Nickel, Kobalt, Lithium, Aluminium und Seltene Erden gehören zu den wichtigsten Metallen für die Elektrifizierung und sind als Grundlage für Energieinfrastruktur sowie den steigenden Strombedarf von KI-Rechenzentren unverzichtbar. Der strategische Wert dieser Ressourcen hat deutlich zugenommen, weshalb Staaten verstärkt versuchen, die Kontrolle über eigene Rohstoffe zu sichern und deren wirtschaftlichen Nutzen zu maximieren.

 

Gleichzeitig versuchen Staaten – insbesondere die USA und China – technologische Fähigkeiten und strategisch wichtige Industrien gezielt unter nationale Kontrolle zu bringen, um ihre sicherheitspolitische, wirtschaftliche und geopolitische Souveränität zu stärken. Dazu zählen Schlüsseltechnologien wie Halbleiter, Cloud-Infrastruktur, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheitsplattformen.

 

Rohstoff- und Technologieressourcen stehen damit zunehmend für Macht und Unabhängigkeit und werden vermehrt als geopolitisches Druckmittel eingesetzt.

Fazit

Die Auswirkungen sind von Dauer, werden die globale Wirtschaftsordnung weiter begleiten und lassen sich nicht ohne Weiteres rückgängig machen. Taktische politische Nachrichten haben nach wie vor kurze Beine — strategische geopolitische Brüche hingegen sehr lange Beine. Wir erleben den Übergang von einer Ära grenzenloser Effizienz zu einer Ära geopolitischer Resilienz, in der politische Machtblöcke dominieren und Staaten sowie Unternehmen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber politischem Druck und Krisen priorisieren. Weitere Facetten dieser Entwicklung sind noch nicht absehbar und ihre Auswirkungen bleiben offen.

 

  • Die Weltordnung im Jahr 2026 wird nicht mehr primär durch Handelsabkommen bestimmt, sondern durch die Kontrolle über kritische und strategische Infrastrukturen und Ressourcen.

     

  • Wer die Souveränität über seine Daten, Chips und über zentrale Energiequellen verliert, verliert seinen Status als Weltmacht. Für Investoren bedeutet das: Geopolitik ist kein «Rauschen» mehr, sondern ein zentrales Fundament jeder Portfoliostrategie.

     

  • Wir gehen davon aus, dass grosse Zentralbanken in Schwellenländern, aber zunehmend auch in westlichen Industriestaaten, ihre Goldbestände weiter ausbauen und ihre US-Dollar-Engagements schrittweise reduzieren. Zudem erwarten wir steigende Preise für Industriemetalle infolge der fortschreitenden Elektrifizierung und der KI-bedingten Stromnachfrage.

     

  • Das Bestreben der globalen Notenbanken, die Schuldenlast zu begrenzen, indem sie die Zinsen unterhalb der Inflationsrate halten, dürfte das von uns wiederholt thematisierte Umfeld finanzieller Repression fortbestehen lassen. Eine ausgeprägte Positionierung in Sachwertanlagen — insbesondere in Aktien, Schweizer Wohnrenditeliegenschaften und Gold — ist in diesem Kontext zentral.

     

  • Die Profiteure finden Sie in der nebenstehenden Titelauswahl, insbesondere in den Anlagethemen Technologie, Reindustrialisierung & Automatisierung sowie Dekarbonisierung.

     

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Patrick Egger

Senior Portfolio Manager

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