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Warum der Anlagehorizont wichtiger ist als das Lebensalter

Die Faustregel «100 minus Alter» ist verlockend einfach, aber gefährlich. Erfahren Sie, warum eine durchdachte Asset Allocation, basierend auf Ihrem tatsächlichen Anlagehorizont und dem Inflationsrisiko, die einzige Basis für eine erfolgreiche Vermögensstrategie ist.

10 Min.

Vermögensverteilung
Die verführerische Einfachheit – und ihre Tücken

In der Welt der Finanzplanung begegnen Anlegerinnen und Anleger immer wieder einer Faustregel: dem empfohlenen Aktienanteil im Portfolio von 100 minus dem eigenen Lebensalter. Für einen 40-Jährigen wären dies 60 Prozent Aktien, für einen 70-Jährigen noch 30 Prozent. Manche Varianten – wie die 120 minus Alter-Formel – zielen auf eine offensivere Ausrichtung ab.

 

Der grösste Vorteil dieser Formel ist unbestreitbar ihre Einfachheit. Sie ist leicht zu merken und vermittelt ein trügerisches Gefühl von Kontrolle. Doch genau hier liegt die Gefahr: Sie reduziert eine der wichtigsten finanziellen Entscheidungen auf eine simple Rechenoperation. Dabei ignoriert sie nahezu alle Faktoren, die eine durchdachte Vermögensstrategie ausmachen:

 

  • Ihre persönlichen Ziele und konkreten Lebensumstände.
  • Ihre Risikobereitschaft und Einkommenssituation.
  • Die Bedürfnisse von Partner, Partnerin und künftigen Erben.

 

Die Formel kennt Sie nicht und kann Sie deshalb nicht angemessen beraten. Tatsächlich sind sich die meisten Anlageprofis einig: Die Asset Allocation – die strategische Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Klassen wie Aktien und Anleihen – ist die wichtigste Entscheidung, die ein Anleger trifft. Studien legen nahe, dass rund 90 Prozent der langfristigen Portfolio-Performance darauf zurückzuführen sind. Eine so zentrale Entscheidung verdient mehr als eine einfache Faustregel.

Zeithorizont statt Alter: Der notwendige Perspektivwechsel

Der wirklich entscheidende Faktor für Ihre Portfoliostruktur ist nicht Ihr biologisches Alter, sondern Ihr Anlagehorizont. Und dieser endet nicht mit dem Renteneintritt, sondern erstreckt sich über die gesamte Zeit, in der Ihr Vermögen für Sie arbeiten muss – bei den meisten Menschen also ein Leben lang, oft darüber hinaus.

 

Viele tappen in die Falle, den Renteneintritt als Endpunkt zu betrachten. In Wahrheit ist dies lediglich ein Übergang von der Vermögensaufbau- in die Vermögensverzehr-Phase. Diese Fehleinschätzung führt häufig zu einer zu konservativen Ausrichtung, genau in einer Lebensphase, in der noch Jahrzehnte der Vermögenserhaltung und -mehrung vor einem liegen.

 

Beispiel: Wer mit 60 Jahren in den Ruhestand geht und sich guter Gesundheit erfreut, hat heute realistischerweise noch 30 oder mehr Jahre vor sich. Der tatsächliche Anlagehorizont beträgt damit 30 Jahre.

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Der stille Vermögenskiller: Die unterschätzte Macht der Inflation

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die schleichende Erosion der Kaufkraft durch die Inflation. Die wahre Gefahr liegt nicht in spektakulären Inflationsschüben, sondern im beharrlichen, oft kaum bemerkten Schwund über Jahrzehnte hinweg.

 

Betrachten wir die Dimension des Problems: Wenn Sie heute CHF 50'000 jährlich für Ihren Lebensunterhalt benötigen, müssen Sie bei einer langfristigen Inflationsrate von 2,5 Prozent in 30 Jahren bereits über CHF 105'000 verfügen, um dieselbe Kaufkraft zu erhalten.

 

Mit nur 40 Prozent Aktienanteil, wie die 100-Minus-Alter-Formel für 60-Jährige vorschlägt, wird es ausgesprochen schwierig, das notwendige Wachstum zu erzielen, um diesen Kaufkraftverlust auszugleichen und gleichzeitig einen kontinuierlichen Cashflow zu generieren. Wer seinen Anlagehorizont und damit seinen Wachstumsbedarf systematisch unterschätzt, riskiert eine schleichende Vermögenserosion. Wird das Problem erst nach 10 oder 20 Jahren erkannt, ist es oft zu spät.

Planen Sie grosszügig: Die Realität der Lebenserwartung

Die Lebenserwartung steigt kontinuierlich. Fortschritte in Medizin und Technologie ermöglichen es Menschen, nicht nur länger, sondern auch aktiver und mobiler zu leben. Für Ihre Finanzplanung bedeutet dies: Planen Sie grosszügig.

 

Es ist weitaus besser, von einem längeren Zeithorizont auszugehen und am Ende ein überschüssiges Vermögen zu haben, als umgekehrt. Das Szenario, dass Ihr Vermögen Sie überlebt, sollten Sie unbedingt vermeiden.

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Eine so zentrale Entscheidung wie die Vermögensaufteilung verdient mehr als eine einfache Faustregel.

Michael Küng

Kundenberater Zürich

Die gefährliche Illusion der konstanten Rendite

Langfristig sind Aktien die attraktivste Anlageklasse, aber die Realität der Märkte ist volatil. Sie folgt keiner linearen Logik. Gerade in der Verzehr-Phase ist diese Volatilität eine ernsthafte Bedrohung: Stellen Sie sich vor, Sie entnehmen jährlich einen Betrag aus Ihrem Portfolio, und dann kommt ein Jahr mit einer starken Marktkorrektur von 25 Prozent. Sie stehen vor einem Dilemma:

 

  1. Entnehmen Sie trotzdem und beschleunigen die Vermögenserosion, da Sie Anteile zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen.
  2. Verzichten Sie auf die Entnahme und zwingen sich zu unerwünschten Einschränkungen Ihres Lebensstils.

     

Eine robuste Asset Allocation, die Ihren tatsächlichen, langfristigen Anlagehorizont berücksichtigt, kann helfen, dieses Risiko zu mindern.

Wie wir Sie bei Baumann & Cie begleiten

Bei Baumann & Cie verstehen wir, dass jeder Kunde eine einzigartige Geschichte mitbringt. Deshalb beginnen wir nicht mit Formeln, sondern mit Gesprächen, in denen aufmerksames Zuhören die Grundlage jeder fundierten Vermögensstrategie bildet.

 

In einem vertieften Analyseprozess erfassen wir gemeinsam mit Ihnen Ihre finanzielle Ausgangslage, Ihre Ziele, Ihre Risikobereitschaft sowie alle relevanten persönlichen Faktoren. Auf dieser Grundlage entwickeln wir eine massgeschneiderte Anlagestrategie, die Ihrem tatsächlichen Anlagehorizont entspricht und regelmässig überprüft sowie angepasst wird. Denn Leben bedeutet Veränderung, und Ihre Vermögensstrategie sollte dies reflektieren.

 

Möchten Sie erfahren, wie wir Ihren Anlagehorizont präzise bestimmen und eine auf Sie zugeschnittene Asset Allocation entwickeln?

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Michael Küng

Kundenberater Zürich

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