In der Welt der Finanzplanung begegnen Anlegerinnen und Anleger immer wieder einer Faustregel: dem empfohlenen Aktienanteil im Portfolio von 100 minus dem eigenen Lebensalter. Für einen 40-Jährigen wären dies 60 Prozent Aktien, für einen 70-Jährigen noch 30 Prozent. Manche Varianten – wie die 120 minus Alter-Formel – zielen auf eine offensivere Ausrichtung ab.
Der grösste Vorteil dieser Formel ist unbestreitbar ihre Einfachheit. Sie ist leicht zu merken und vermittelt ein trügerisches Gefühl von Kontrolle. Doch genau hier liegt die Gefahr: Sie reduziert eine der wichtigsten finanziellen Entscheidungen auf eine simple Rechenoperation. Dabei ignoriert sie nahezu alle Faktoren, die eine durchdachte Vermögensstrategie ausmachen:
- Ihre persönlichen Ziele und konkreten Lebensumstände.
- Ihre Risikobereitschaft und Einkommenssituation.
- Die Bedürfnisse von Partner, Partnerin und künftigen Erben.
Die Formel kennt Sie nicht und kann Sie deshalb nicht angemessen beraten. Tatsächlich sind sich die meisten Anlageprofis einig: Die Asset Allocation – die strategische Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Klassen wie Aktien und Anleihen – ist die wichtigste Entscheidung, die ein Anleger trifft. Studien legen nahe, dass rund 90 Prozent der langfristigen Portfolio-Performance darauf zurückzuführen sind. Eine so zentrale Entscheidung verdient mehr als eine einfache Faustregel.