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Anlagekommentar

Die Rückkehr der realen Welt

Die Zukunft der Technologie hängt ebenso von Minen und Raffinerien ab wie von Rechenzentren und Algorithmen. Adrian Wildhaber zeigt, weshalb kritische Rohstoffe wie Kupfer und Lithium für Anlegerinnen und Anleger zum entscheidenden Faktor werden.

8 Min.

Energiewende
Digitale Zukunft, physische Grundlage

Wer die Finanzmärkte in den vergangenen Jahren verfolgt hat, konnte leicht den Eindruck gewinnen, dass wirtschaftlicher Fortschritt vor allem in der digitalen Welt entsteht. Künstliche Intelligenz, Cloud Computing und Softwareplattformen bestimmten die Schlagzeilen. Die grössten Börsengewinner waren Unternehmen, deren Wert nicht primär auf Fabriken und Maschinen basiert, sondern auf Daten und Algorithmen. 

 

Doch hinter der digitalen Revolution verbirgt sich eine oft übersehene Realität: Die grössten technologischen Fortschritte unserer Zeit beruhen auf einer physischen Infrastruktur, die enorme Mengen an Energie, Metallen und Rohstoffen benötigt. Rechenzentren benötigen Strom, Stromnetze benötigen Kupfer, Batterien benötigen Lithium und moderne Industrieanlagen benötigen eine Vielzahl von Metallen und Rohstoffen. 

 

Je ambitionierter die Welt ihre technologischen, energiepolitischen und geopolitischen Ziele verfolgt, desto stärker steigt die Nachfrage nach den physischen Grundlagen dieser Entwicklung.

Die unterschätzte Bedeutung der Rohstoffe

Über viele Jahre verlagerte sich die Wertschöpfung in den Industrieländern zunehmend in Richtung Dienstleistungen und Technologie. Gleichzeitig führten effizientere Produktionsprozesse und die fortschreitende Globalisierung zu einer geringeren Wahrnehmung von Rohstoffen als strategischem Faktor. 

 

Auch an den Aktienmärkten verloren klassische Rohstoffunternehmen an Bedeutung, da kapitalleichte (asset light) Geschäftsmodelle zunehmend in den Vordergrund rückten. Tatsächlich hat sich die Abhängigkeit von Rohstoffen jedoch nicht verringert, sondern verschoben. Standen früher vor allem Öl, Kohle und Eisenerz im Zentrum, rücken heute Metalle wie Kupfer, Lithium und Seltene Erden zunehmend in den Fokus. Diese Rohstoffe bilden das Fundament zahlreicher Zukunftstechnologien. 

 

Besonders deutlich wird dies bei der Elektrifizierung des Verkehrs. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur IEA benötigen Elektrofahrzeuge für Batterien, Motoren und Verkabelungen ein Vielfaches jener Metallmengen, die in konventionellen Fahrzeugen zum Einsatz kommen. So werden in einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor rund 34 Kilogramm kritische Mineralien und Metalle verbaut, bei einem Elektrofahrzeug sind es rund 207 Kilogramm. Der Ausbau der dafür notwendigen Lade- und Netzinfrastruktur verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

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Der weltweite Ausbau von Rechenzentren lässt den Bedarf an Strom und den dafür notwendigen Infrastrukturen stark ansteigen. Davon profitieren insbesondere Industriemetalle wie Kupfer oder Aluminium, die sowohl für Stromnetze als auch für den Bau und Betrieb moderner Rechenzentren unverzichtbar sind. Der Wettlauf um Rechenleistung wird damit zunehmend auch zu einem Wettlauf um verfügbare Energie. Während die Nachfrage nach strategischen Metallen steigt, zeigt sich auf der Angebotsseite ein deutlich weniger dynamisches Bild. 

 

Diese Zurückhaltung ist nachvollziehbar. Rohstoffmärkte folgen häufig einem Muster, das Ökonomen als Schweinezyklus bezeichnen. Tiefe Preise führen dazu, dass Investitionen verschoben oder ganz gestrichen werden. Da zwischen der Entdeckung einer Lagerstätte und der ersten kommerziellen Förderung häufig zehn bis fünfzehn Jahre liegen, macht sich diese Investitionszurückhaltung oft erst mit erheblicher Verzögerung bemerkbar. Das Angebot wächst langsamer als die Nachfrage, Versorgungsengpässe entstehen und die Preise steigen. Erst dann werden neue Projekte wieder wirtschaftlich attraktiv. Die daraus resultierenden Investitionen schaffen jedoch erst Jahre später zusätzliches Angebot und damit häufig die Grundlage für den nächsten Preisrückgang. 

 

Genau dieses Muster war in den vergangenen Jahren zu beobachten. Nach einer langen Phase tiefer Preise konzentrierten sich viele Minengesellschaften vor allem auf die Stärkung ihrer Bilanzen und attraktive Ausschüttungen an die Aktionärinnen und Aktionäre, statt neue Minenprojekte voranzutreiben.

Die neue Geopolitik der Rohstoffe

Die strategischen Risiken dieser Entwicklung sind inzwischen auch in den höchsten Regierungskreisen angekommen. Kritische Rohstoffe gelten längst nicht mehr nur als wirtschaftlicher Produktionsfaktor, sondern zunehmend als strategische Ressource. Besonders deutlich zeigt sich dies in den USA: Im Juli 2025 investierte das Pentagon rund USD 400 Mio. in MP Materials, den Betreiber der einzigen bedeutenden Seltene-Erden-Mine des Landes, und wurde damit zum grössten Aktionär. 

 

Gleichzeitig fördert Washington den Ausbau der heimischen Verarbeitungs- und Magnetproduktion und kündigte weitere Milliardeninvestitionen in kritische Rohstoffe wie Kupfer, Graphit und Seltene Erden an. Die Abhängigkeit von China soll damit gezielt reduziert werden. Durch jahrzehntelange Investitionen in Förderung, Verarbeitung und Infrastruktur verfügt China heute über eine dominierende Stellung in zahlreichen Lieferketten kritischer Rohstoffe. Diese Konzentration wird von vielen westlichen Staaten zunehmend als Risiko betrachtet. Bereits politische Spannungen oder neue Exportbeschränkungen könnten die Versorgung mit kritischen Rohstoffen beeinträchtigen und damit Schlüsselindustrien von der Elektromobilität bis zur Halbleiterproduktion treffen.

 

Trotz dieser Entwicklungen wäre es verfrüht, von einer garantiert erfolgreichen Zukunft für den gesamten Rohstoffsektor zu sprechen. Rohstoffmärkte bleiben anfällig für wirtschaftliche Abschwünge, und auch Recycling, Effizienzsteigerungen oder Materialsubstitution können den Nachfrageanstieg teilweise abfedern. Dennoch unterscheidet sich die heutige Ausgangslage von vielen früheren Rohstoffphasen. Die Nachfrage wird nicht mehr hauptsächlich von einem einzelnen Land oder einem einzelnen Konjunkturzyklus getragen. Vielmehr treffen mehrere strukturelle Entwicklungen zusammen: Elektrifizierung, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und geopolitische Neuordnung. 

 

Für Anleger bedeutet dies allerdings nicht, dass sämtliche Rohstoffe vor einem langjährigen Boom stehen. Entscheidend wird vielmehr sein, jene Metalle und Unternehmen zu identifizieren, bei denen strukturelle Nachfrage auf ein begrenztes Angebot trifft.

Anlageimplikationen

Technologieunternehmen nehmen in vielen Portfolios bereits einen hohen Stellenwert ein. Rohstofftitel sind dagegen oftmals unterrepräsentiert. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, welche von der steigenden Nachfrage nach sogenannten Transition Metals profitieren. Für unsere Vermögensverwaltungsmandate setzen wir dieses Thema unter anderem mit dem Konwave Transition Metals Fund um. Der Fonds investiert entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Produzenten, Entwicklungsunternehmen und Explorationsgesellschaften.

 

Ob sich die kommenden Jahre tatsächlich als neuer Rohstoff-Superzyklus in die Geschichte einschreiben werden, bleibt offen. Die vergangenen Jahre gehörten den Technologieunternehmen. Die kommenden Jahre könnten stärker von der Frage geprägt sein, wer die physische Infrastruktur bereitstellt, ohne welche die ehrgeizigen technologischen Visionen nicht realisiert werden können.

 

Wenn Sie mehr über dieses Anlagethema und die damit verbundenen Anlagemöglichkeiten erfahren möchten, steht Ihnen Ihre persönliche Ansprechpartnerin oder Ihr persönlicher Ansprechpartner bei Baumann & Cie gerne zur Verfügung.

 

 

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Adrian Wildhaber

Portfolio Manager

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