Die strategischen Risiken dieser Entwicklung sind inzwischen auch in den höchsten Regierungskreisen angekommen. Kritische Rohstoffe gelten längst nicht mehr nur als wirtschaftlicher Produktionsfaktor, sondern zunehmend als strategische Ressource. Besonders deutlich zeigt sich dies in den USA: Im Juli 2025 investierte das Pentagon rund USD 400 Mio. in MP Materials, den Betreiber der einzigen bedeutenden Seltene-Erden-Mine des Landes, und wurde damit zum grössten Aktionär.
Gleichzeitig fördert Washington den Ausbau der heimischen Verarbeitungs- und Magnetproduktion und kündigte weitere Milliardeninvestitionen in kritische Rohstoffe wie Kupfer, Graphit und Seltene Erden an. Die Abhängigkeit von China soll damit gezielt reduziert werden. Durch jahrzehntelange Investitionen in Förderung, Verarbeitung und Infrastruktur verfügt China heute über eine dominierende Stellung in zahlreichen Lieferketten kritischer Rohstoffe. Diese Konzentration wird von vielen westlichen Staaten zunehmend als Risiko betrachtet. Bereits politische Spannungen oder neue Exportbeschränkungen könnten die Versorgung mit kritischen Rohstoffen beeinträchtigen und damit Schlüsselindustrien von der Elektromobilität bis zur Halbleiterproduktion treffen.
Trotz dieser Entwicklungen wäre es verfrüht, von einer garantiert erfolgreichen Zukunft für den gesamten Rohstoffsektor zu sprechen. Rohstoffmärkte bleiben anfällig für wirtschaftliche Abschwünge, und auch Recycling, Effizienzsteigerungen oder Materialsubstitution können den Nachfrageanstieg teilweise abfedern. Dennoch unterscheidet sich die heutige Ausgangslage von vielen früheren Rohstoffphasen. Die Nachfrage wird nicht mehr hauptsächlich von einem einzelnen Land oder einem einzelnen Konjunkturzyklus getragen. Vielmehr treffen mehrere strukturelle Entwicklungen zusammen: Elektrifizierung, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und geopolitische Neuordnung.
Für Anleger bedeutet dies allerdings nicht, dass sämtliche Rohstoffe vor einem langjährigen Boom stehen. Entscheidend wird vielmehr sein, jene Metalle und Unternehmen zu identifizieren, bei denen strukturelle Nachfrage auf ein begrenztes Angebot trifft.