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Anlagerück- und Ausblick: Same same but different

2025 war ein Anlagejahr voller Gegensätze: technologische Durchbrüche, geopolitische Schocks, rasche Markterholungen und wachsende strukturelle Risiken. Wir ordnen die Entwicklungen ein und erläutern, welche Faktoren für Anlegerinnen und Anleger langfristig entscheidend bleiben.

10 Min.

Rückblick auf das Anlagejahr 2025

Bereits zum Jahresbeginn sendete China ein klares Zeichen: Der Wettlauf um die Vorherrschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz ist noch längst nicht entschieden. Mit DeepSeek gelang der Beweis, dass auch mit vergleichsweise bescheidener Rechenleistung ein leistungsfähiges Sprachmodell entwickelt werden kann. Dies löste Zweifel aus, ob die gewaltigen Investitionen in diesem Sektor tatsächlich dauerhaft in Gewinne umgemünzt werden können. Einmal mehr zeigte sich, wie stark technologischer Fortschritt die Börsen lenkt – einerseits als Hoffnungsträger, andererseits als Quelle neuer Unsicherheiten.

 

Dass US-Präsident Donald Trump Gedanken nicht nur ausspricht, sondern auch umsetzt, erfuhren die Märkte am 2. April schmerzhaft: Die Ankündigung umfassender US-Zölle, welche nahezu sämtliche Wirtschaftssektoren betrafen, löste einen der grössten kurzfristigen Wertverluste der Börsengeschichte aus. Innerhalb von nur zwei Tagen wurden weltweit über 6.6 Billionen US-Dollar an Börsenwert vernichtet.

 

Und doch erholten sich die Märkte rasch. US-Präsident Donald Trump wurde seinem Ruf als Deal-Maker gerecht und sorgte für erste handelspolitische Entwarnungen. Zudem stiegen die Zinssenkungserwartungen und die befürchteten Auswirkungen auf Inflation und Arbeitsmarkt fielen milder aus als angenommen. Eine zentrale Rolle dabei spielte der Technologiesektor: Die Aktien grosser Technologiekonzerne trieben die Markterholung massgeblich an und sorgten für neue Rekordstände. Gleichzeitig erhöhte diese starke Konzentration an Kursgewinnern auf wenige Mega-Unternehmen jedoch die Verwundbarkeit der Märkte.

Entwicklung Baumann Portfolio

Unser Baumann Portfolio zeigte im vergangenen Jahr eine erfreuliche Entwicklung – ein Erfolg, der vor allem unserer konsequenten strategischen Ausrichtung auf Sachwertanlagen zu verdanken ist. Die ausgeprägten Schwankungen des Jahres haben uns zwar gefordert, doch einmal mehr zeigt sich: Nur wer seiner langfristigen Positionierung treu bleibt, kann nachhaltig ansehnliche Renditen erwirtschaften.

 

Neben Aktien erwies sich unsere Goldallokation als wertvoll. Der strategische Ausbau auf insgesamt 8% im Spätsommer erlaubte uns, an der hervorragenden Entwicklung des Edelmetalls zu partizipieren. Ebenso haben wir von unseren strukturellen Trendthemen profitiert, insbesondere von der Dynamik im Technologiesektor. Vor diesem Hintergrund haben wir kürzlich im Segment Cyber Security eine neue Position über den ETF von WisdomTree aufgebaut. In einer zunehmend vernetzten Welt ist digitale Sicherheit zur Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und politische Souveränität geworden. Daten, Kommunikationsnetze und digitale Infrastrukturen bilden heute das Rückgrat moderner Volkswirtschaften – und damit ein attraktives Ziel für kriminelle wie auch staatlich gesteuerte Angriffe.

 

Weniger erfreulich verlief unsere Schweizer Aktienselektion, die hinter dem breiten Markt zurückblieb. Einige heimische Unternehmen litten überdurchschnittlich unter den geo- und handelspolitischen Rahmenbedingungen. Unsere Ausrichtung auf Firmen, die überzeugende Kapitalrenditen, solide Bilanzen, zukunftsfähige Geschäftsmodelle, hohe Preissetzungsmacht und strukturelles Wachstum vereinen, wurde im vergangenen Jahr nicht mit Überrenditen belohnt. Dennoch sind wir überzeugt, dass wir auf die richtige Strategie setzen. Langfristig erwarten wir eine Mehrrendite mit unserer Schweizer Aktienauswahl – denn Qualität und Exzellenz setzen sich auf lange Sicht durch.

Der globale Schuldenberg wächst weiter

Der längste Regierungsstillstand in der US-Geschichte konnte lediglich mit einer vorübergehenden Vereinbarung bis Ende Januar 2026 beigelegt werden. In den USA bleibt der Streit zwischen Demokraten und Republikanern gross. Interessanterweise geht es dabei weniger um die Frage, wo gespart werden soll, um die hohe Staatsverschuldung zu senken. Stattdessen diskutieren beide Seiten vor allem darüber, wo zusätzlich Geld ausgegeben werden soll. Vor diesem Hintergrund ist es nahezu sicher, dass die Staatsverschuldung weiter steigen wird. Zurzeit belaufen sich die US-Staatsschulden auf über 38 Billionen US-Dollar. Im Fiskaljahr 2025 summierten sich allein die Schuldzinszahlungen erstmals auf über eine Billion US-Dollar. Es ist somit nur eine Frage der Zeit, bis die kürzlich erhöhte Schuldenobergrenze – derzeit bei 41,1 Billionen US-Dollar – erneut erreicht wird.

 


Auch Frankreich lebt seit mehreren Jahren deutlich über seinen finanziellen Verhältnissen. Mit einer Staatsverschuldung von rund 113% des Bruttoinlandsprodukts und einem strukturellen Budgetdefizit von jährlich über 5% entwickelt sich Frankreich zunehmend zum Sorgenkind innerhalb der EU. Offenbar sind sich die Politikerinnen und Politiker der besorgniserregenden Lage der Staatsfinanzen nicht bewusst – oder sie blenden das Problem bewusst aus. Frankreich leidet weniger an einem Einnahme-, sondern klar an einem Ausgabenproblem, das nur durch konsequente Sparmassnahmen in den Griff zu bekommen wäre. Die schwindenden Aussichten auf eine Besserung haben bereits Spuren hinterlassen: Gemäss Prognosen des Internationalen Währungsfonds IWF dürfte Frankreichs Verschuldung im EU-Vergleich am stärksten zunehmen.

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Aus den Schulden herauszuwachsen ist unrealistisch

Ein starkes Wirtschaftswachstum könnte grundsätzlich ein geeignetes Mittel sein, um aus den enorm gestiegenen Schulden – zumindest relativ zum Bruttoinlandprodukt – langfristig herauszuwachsen. Obwohl in der Vergangenheit immer wieder solche Phasen beobachtet wurden, zum Beispiel in der Aufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg, ist dies im heutigen Umfeld kaum realistisch. Der IWF erwartet für die USA im Jahr 2026 ein abgeschwächtes Wirtschaftswachstum von rund 2%. In der Eurozone dürfte sich das Wachstum leicht beschleunigen und bei etwa 1% für 2026 liegen. Diese Werte liegen deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte. Die eher verhaltenen Prognosen für die Schweizer Wirtschaft wurden durch den ausgehandelten Deal mit US-Präsident Donald Trump etwas aufgehellt, sodass sich auch die Schweizer Wirtschaft voraussichtlich ähnlich entwickeln dürfte wie die der Eurozone.

Expansivere Geldpolitik in den USA

Die US-Notenbank verfolgt ein Doppelmandat: stabile Preise zu gewährleisten und Vollbeschäftigung sicherzustellen. Momentan kann sie diese beiden Ziele nicht gleichzeitig erfüllen und muss Prioritäten setzen. Die Inflation verharrt hartnäckig leicht über 3%. Obwohl das offizielle Ziel bei 2% liegt, akzeptiert die US-Notenbank dieses Niveau faktisch und verlagert ihren Fokus zunehmend auf die konjunkturellen Risiken. Insbesondere der Arbeitsmarkt zeigt deutliche Risse und verliert an Dynamik. Vor diesem Hintergrund wird die US-Notenbank die Zinsen weiter senken, auch wenn sie in diesem Jahr eher vorsichtig agierte. Zusätzlich hat sie den Bilanzabbau per Dezember 2025 vollständig gestoppt und inzwischen bereits wieder mit Käufen von kurzfristigen US-Staatsanleihen begonnen – ein Schritt, der dem Finanzsystem mehr Liquidität zuführt und ihre grundsätzlich stimulierende Haltung unterstreicht. Parallel dazu verstärkt sich der politische Einfluss auf die Notenbank. US-Präsident Donald Trump drängt offen auf tiefere Zinsen und wird diesen Druck weiter erhöhen. Im Umfeld der anstehenden Neubesetzung an der Spitze der US-Notenbank ist zudem damit zu rechnen, dass ein Kandidat gewählt wird, der diesen Kurs grundsätzlich unterstützt und eine deutlich lockerere Geldpolitik befürwortet.

 

In Europa präsentiert sich die Lage etwas anders: Der Inflationsdruck ist deutlich schwächer ausgeprägt als in den USA. Die Europäische Zentralbank – deren Hauptauftrag die Preisstabilität ist – dürfte sich mit dem aktuellen Leitzinsniveau gut arrangieren und kaum an der Zinsschraube drehen. Mit einem Einlagesatz von 2% wirkt die Geldpolitik bereits spürbar expansiver als in den USA.

 

In der Schweiz zeigt der jüngste Inflationsbericht mit 0% keine Teuerung. Auch wenn eine Phase tiefer oder negativer Inflation grundsätzlich ein Argument für Negativzinsen wäre, hat sich der deflationäre Druck über den Wechselkurs aufgrund des stabilen Schweizer Frankens deutlich reduziert. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Hürden für eine Wiedereinführung von Negativzinsen weiterhin hoch.

Risiken im Blick behalten

Im Verlauf des Jahres 2025 sind wir zwei Entwicklungen begegnet, die uns in unseren Gesprächen und Überlegungen spürbar beschäftigen. Auch wenn wir nicht davon ausgehen, dass sich diese Risiken kurzfristig realisieren, halten wir es für wichtig, sie offen anzusprechen und einzuordnen.

 

Der US-Präsident Donald Trump setzt die US-Notenbank zunehmend unter Druck, indem er tiefere Zinsen fordert, den Vorsitzenden öffentlich kritisiert und Schlüsselpositionen mit Befürwortern einer expansiven Geldpolitik besetzt. Eine lockere Fiskalpolitik verstärkt diesen Druck zusätzlich. Dadurch werden die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der US-Notenbank – zentrale Voraussetzungen für das Vertrauen der Märkte – geschwächt. Dieses Vertrauen beginnt zu erodieren, was Volatilität, Kapitalabflüsse, Druck auf den US-Dollar sowie steigende Finanzierungskosten für Staat, Unternehmen und Konsumenten nach sich ziehen könnte. Eine daraus resultierende Vertrauenskrise ist nicht unrealistisch.

 

Im Bereich «Private Debt», oft auch als Schattenbankensystem bezeichnet, bestehen erhebliche Risiken. Dabei handelt es sich um Kredite, die ausserhalb regulierter Banken direkt an Unternehmen vergeben werden. Komplexe Finanzierungsstrukturen wie Zweckgesellschaften verschleiern die tatsächliche Verschuldung und erschweren Investoren die Einschätzung. Gleichzeitig operiert der Markt mit lockeren Standards und intransparenten Instrumenten, was Fehlanreize, Missmanagement und Betrug begünstigt.

 

Eine exzessive Fremdfinanzierung bei Unternehmensübernahmen erhöht die Anfälligkeit deutlich, insbesondere bei steigenden Zinsen. Zusätzlich führt der globale «KI-Hype» – die Rekordinvestitionen im Rennen um die Vorherrschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz – zu einer neuen Schuldenwelle und bringt entsprechende Risiken mit sich. Aufgrund der engen Verflechtung mit traditionellen Finanzinstituten bergen Zahlungsausfälle systemische Risiken – eine Finanzkrise ausgehend vom Schattenbankensystem liegt aus unserer Sicht durchaus im Bereich des Möglichen. Weitere Zinssenkungen könnten das Problem paradoxerweise noch verschärfen, zumal die Bewertungen – insbesondere im Technologiesektor – bereits hoch sind. Zudem ist das Investitionsvolumen im Bereich «Private Debt» in den letzten Jahren als direkte Folge der strengen Bankenregulierung stark gestiegen.

Konklusion und Empfehlungen

Zusammenfassend bleibt Investieren die zentrale Empfehlung. In einer solchen Situation gilt es als entscheidend, die Kaufkraft zu erhalten und langfristig einen realen Vermögenszuwachs zu erzielen. Nicht investiert zu sein wäre das ungünstigste Vorgehen, da die schleichende Erosion der Kaufkraft durch die finanzielle Repression unvermeidbar ist. Anlegerinnen und Anleger sollten sich daher auf eine Strategie ausrichten, die den langfristigen Werterhalt und das Wachstum ihres Vermögens in den Vordergrund stellt. Eine ausgeprägte Positionierung in Sachwertanlagen – insbesondere Aktien, Schweizer Renditeliegenschaften im Wohnbereich und Gold – ist dabei zentral, immer im Bewusstsein möglicher kurzfristiger Schwankungen.

 

Gleichzeitig sollten Anlegerinnen und Anleger die bestehenden Risiken im Auge behalten. Dazu gehören etwa das Schattenbankensystem, in dem verschleierte Finanzierungsstrukturen und lockere Standards potenzielle Belastungen für das Finanzsystem bergen sowie der politische Einfluss auf die US-Notenbank, der die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Geldpolitik beeinträchtigen könnte. Obwohl diese Risiken vorhanden sind, handelt es sich derzeit nicht um unser Basisszenario. Es bleibt dennoch wichtig, keine unnötigen oder vom Markt nicht angemessen entschädigten Risiken einzugehen.

Gold wird weiterhin attraktiv bleiben

Gold bleibt aus unserer Sicht langfristig attraktiv. Das Vertrauen in die US-Politik und die finanzielle Stabilität hat spürbar gelitten, während Verschuldungsprobleme weltweit ungelöst bleiben. Gleichzeitig verliert der US-Dollar als wichtigste Reservewährung an Bedeutung: Vor rund 20 Jahren machten US-Dollar-Reserven der weltweiten Notenbanken über 70% aus, heute sind es nur noch rund 56%. Dieser Rückgang hat sich unter dem konfrontativen Kurs der USA – insbesondere in der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump – noch einmal beschleunigt. Viele Notenbanken reagieren darauf, indem sie ihre Reserven breiter streuen und zunehmend Gold statt US-Staatsanleihen bevorzugen. 

 

Auch institutionelle Anleger halten Gold vielfach noch in zu geringem Umfang, weshalb wir davon ausgehen, dass die strukturelle Nachfrage hoch bleibt. Gold bietet zudem einen wirksamen Schutz gegen schleichende Geldentwertung und hat sich in Marktkorrekturen historisch als eine der verlässlichsten Absicherungen erwiesen. Vor diesem Hintergrund betrachten wir Gold als ideale Ergänzung in unserer Positionierung und halten im Baumann Portfolio derzeit rund 8%.

Daniel O.A. Rüedi, Teilhaber

Tom Steiner, Leiter Kompetenzzentrum Anlagen

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