Aktuell – Kurz notiert
Wie kann eine kleinere Privatbank im aktuellen Umfeld weiterhin erfolgreich für ihre Kunden sein

Diskretion, Sorgfalt, Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit sind der Alltag von Privatbanquiers. Das Kerngeschäft von Privatbanquiers ist die integrale Vermögensverwaltung und Anlageberatung primär für in- und ausländische Privatkunden und institutionelle Kunden. Privatbanquiers  sind unabhängige Unternehmer, welche zusätzlich zu den Gesellschaftsmitteln mit ihrem persönlichen Vermögen Garant für grundsolide finanzierte Banken sind. Diese Basis ermöglicht es, selbst in einer Krise in die qualitative Verbesserung ihrer Dienstleistungen und damit auch in eine erfolgreiche Zukunft zu investieren.

 

a)    Privatbanken im gesellschaftspolitischen Umfeld

 

Parallel zur soliden Eigenmittelausstattung sind genügende politische, regulatorische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen für eine prosperierende Zukunft der Privatbanken unabdingbar. Es ist nicht in erster Linie das Bankgeheimnis, welches den Wert und die Bedeutung der Schweiz für ausländische Kunden  ausmacht und unser Land als gefragten Finanzplatz auszeichnet.

Politische und wirtschaftliche Stabilität, Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit sind Werte, welche zum schweizerischen Selbstverständnis gehören und auf deren Bestand in- und ausländische Kunden zählen. Die institutionelle Krise, hervorgerufen durch den Verlust an Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit von Politik, Regierung, Verwaltung und Justiz, welche sich in der Finanz- und UBS-Krise manifestiert hat, gilt es möglichst bald zu überwinden.

Eine weitere schweizerische Institution stellt der soziale Friede dar, wobei hier primär das Zusammenleben von Finanzplatz und Werkplatz gemeint ist. Dieses Verhältnis wurde durch einen Teil der Finanzindustrie mit ihrer Arroganz und Masslosigkeit fundamental gestört. Dass folglich eine Entsolidarisierung stattgefunden hat, darf nicht erstaunen. Die Banken haben sich damit politisch und sozial ins Abseits manövriert. Selbst wenn die meisten Banken nicht dafür ursächlich waren, macht die Bevölkerung keinen Unterschied, ob es sich bei einer Bank um eine Privatbank, Kantonalbank, Retailbank, oder eben um eine Investmentbank handelt. 

Daher müssen  die Banken ihre Verantwortung wahrnehmen und ihren Teil zur Wiederherstellung der verlorenen Glaubwürdigkeit beitragen.

 

b)   Privatbanquiers im Dienste ihrer nationalen und internationalen Kunden

 

Das Geschäftsmodell der Privatbanquiers beruht auf der langjährigen, zumeist über Generationen dauernden vertrauensvollen Geschäftsbeziehung zwischen Kunde und Bank. Diese Kunden geben sich nicht zufrieden mit der Abdeckung ihrer Bedürfnisse durch komplexe und in der Regel in ihren Risiken undurchsichtigen Produkten. Die Kunden der kleinen klassischen Privatbanken suchen massgeschneiderte Betreuung mit gehobenem Gehalt an Beratung in Vermögensanlagen und Dienstleistungen, verbunden mit einfachen verständlichen Instrumenten. Unabhängigkeit und Transparenz werden dabei gross geschrieben. Im Gefolge von Lehman-Brothers, Madoff und andern Ausfällen ist das Risikobewusstsein der Kunden zu Recht stark angestiegen. Es erstaunt daher auch nicht, dass Kunden vornehmlich mit Eigenprodukten ausgestattete Portfolios nicht mehr goutieren, sondern diversifizierte Anlagen möglichst nach dem „best of class“-Prinzip bevorzugen, und sich dabei vermehrt auf die kompetente und gewissenhafte Beratung und Risikoaufklärung eines langjährigen Kundenberaters verlassen wollen.

Das Anforderungsprofil für Kundenbetreuer verändert sich. Der Kundenberater einer Privatbank wird primär als Kunden- und Vermögensberater wahrgenommen und nicht einfach als Verkäufer von Bankprodukten. Die Anforderungen an die Asset Manager nehmen zu, die Erwartungen der Kunden an die Kenntnisse und das Know-how ihrer Betreuer steigen. Entsprechend wird bei Privatbanken diesen Anforderungen beim Profil der Mitarbeiter noch stärker Rechnung getragen.

Zusätzliche Anforderungen werden im Zusammenhang mit dem „Cross-Border Business“ an die Privatbanken und die Ausbildung ihrer Kundenberater künftig gestellt. Vermehrt wird der Ort der Kundenberatung darüber entscheiden, nach welcher Jurisdiktion die Beratung zu erfolgen hat. Werden die Kunden im Ausland an ihrem Rechtsdomizil betreut, wird sich die Beratung nach der örtlichen Regulation zu richten haben. Auch in dieser Hinsicht ist Handlungsbedarf in der Ausbildung der Kundenberater angesagt. Dass die Beratung vor Ort in Übereinstimmung mit den lokalen Rechtsbestimmungen erfolgt, dafür tragen die Banken und ihre Kundenberater die Verantwortung. Entschieden abzulehnen ist aber die Forderung, dass die Banken und ihre Kundenberater die Rolle einer Finanzpolizei oder des verlängerten Armes von in- oder ausländischen Steuerbehörden zu übernehmen haben. Damit jeder Kunde seiner Eigenverantwortung in seinen persönlichen und finanziellen Angelegenheiten nachkommen kann, wird es jedoch Aufgabe der Banken sein, ihn zeitgerecht mit allen notwendigen Informationen zu versehen.

 

c)    Herausforderungen an den Finanzplatz Schweiz

 

Die weitaus grössten Herausforderungen erwachsen dem Finanzplatz Schweiz aus dem andauernden politischen, fiskalischen und regulatorischen Druck, welcher auf die Schweiz ausgeübt wird.

In diesem Zusammenhang ist es von entscheidender Bedeutung, dass sich Regierung, Behörden, Politik und die Finanzplatzakteure auf eine gemeinsame Verhandlungsposition einigen können und standhaft an deren Verfolgung festhalten. Dies erfordert zwingend, dass die institutionelle Krise überwunden wird und setzt voraus, dass die Wichtigkeit des Finanzplatzes für die schweizerische Volkswirtschaft anerkannt bleibt.

Um eine Erosion der Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz zu vermeiden, sind substantielle Voraussetzungen zu schaffen, um die weltweit führende Marktstellung der Schweiz im  internationalen Vermögensverwaltungs-Geschäft zu behalten und weiterhin direkt und indirekt einen wesentlichen Beitrag an die Schweizer Volkswirtschaft leisten zu können.

So muss der Schutz der finanziellen Privatsphäre auch im Rahmen des eingeschränkten Schutzes in Steuerangelegenheiten gewahrt bleiben. Der automatische Informationsaustausch ist als Widerspruch unseres liberalen Staatsverständnisses abzulehnen.

Weiter bedarf es einer Regelung der steuerlichen Vergangenheit von Bankkunden, sei es über eine der Abgeltungssteuer ähnliche Form oder ein freiwilliges Meldeverfahren. Auch ist es notwendig, den freien Zugang zu ausländischen Finanzmärkten für Schweizer Banken zu erwirken. 

Äusserst wünschenswert wäre die Schaffung eines „level playing field“ gegenüber andern Finanzintermediären im internationalen Wettbewerb, um  durch international geltende Bestimmungen die steuerliche Transparenz von Strukturen des angelsächsischen Rechts, wie z.B. Trusts, Delaware Companies und andern Offshore-Strukturen zu verbessern.

Schliesslich bedarf es einer Finanzmarktaufsicht, welche sachlich und mit Augenmass die Lehren aus der Finanz- und UBS-Krise zieht und System- und Risiko-fokussiert, aber auch segmentiert nach Struktur und Geschäftstätigkeit der Banken, an die weitere Regulierung geht.

 

Als Fazit darf durchaus der Schluss gezogen werden, dass das aktuelle Umfeld insbesondere kleineren Privatbanken mit ihrer traditionellen Ausrichtung auf das klassische Geschäft der individuellen Vermögensverwaltung und Vermögensberatung ausgezeichnete Möglichkeiten bietet, um weiterhin auch für ausländische Kunden erfolgreich zu sein. Dass die „Swissness“ der kleinen Privatbanken gefragt  ist, zeigt sich gerade dieser Tage.  

 

Mathias Hermann,

Leiter Legal & Compliance

Baumann & Cie, Banquiers